Ich bin (k)ein Model.

Ich bin (k)ein Model.

Ich gehöre zu dieser Kategorie von Menschen die einfach gerne neue Leute kennenlernen. Ich finde es interessant mich mit ihnen über Gott und die Welt zu unterhalten und außerdem vielleicht das ein oder andere gemeinsame Projekt zu starten. Deshalb kommt man beim kennenlernen nicht an der Frage des Berufes vorbei… und ich muss ehrlich sagen in Wien scheint es fast nur Djs und Models zu geben. Das Problem mit den DJs ist eigentlich für den autonormal Verbraucher kein allzu großes, denn solange wir in den gewohnten Clubs bleiben, werden wir meistens keine schlimmen Überraschungen erleben.

Ich habe ein Problem mit der zweiten Kategorie und damit bin ich eindeutig nicht alleine. Fast jedes Mädchen zwischen 17 und 23 schimpft sich Model. Und ja das ist ein Problem!  Als ich mit dem Styling begonnen habe, waren die meisten Aufträge auf TFP-Basis, sprich jeder Beteiligte an dem Shooting bekommt die Fotos, nur Geld kriegt keiner. Der Vorteil ist, dass es keine unerfüllbaren Kundenwünsche gibt und man jederzeit gehen kann, wenn es einem zu viel wird. Zugegeben, den zweiten Satz wird nicht jeder unterschreiben. Aber ich bin der Meinung die Arbeit muss wertgeschätzt werden und egal ob gratis oder bezahlt hackln, der Respekt vor dem Anderen muss gewahrt sein. Wenn dem nicht so ist, dann arbeite ich keine fünf Stunden in Eiseskälte für nichts.

Und da kommen wir nun auch endlich zu dem was ein Model ausmacht. Egal welches Wetter und welche Temperaturen gerade herrschen, man darf es am Foto nicht erkennen. Zusammengekneifte Augen bei Regen oder verzogene Lippen bei Kälte dürfen nicht sein. Übertrieben gesagt, selbst wenn ihnen ein Käfer in die Nase kriecht, dann bleibt gefälligst in der Pose und behaltet euren Gesichtsausdruck. Zugeben das sind Anforderungen die man meist nicht von heut auf morgen erfüllen kann. Das ist langes Training und erfordert viel Übung. Wenn also ein möchtegern Model bei ein bisschen Wind das Shooting abbricht und meint so könne man nicht arbeiten, dann verfehlt sie ihren Job.

Auch sehr interessant finde ich die Kategorie “ich nehme mir selber mein Make up mit”. Das sind Leute die dann tatsächlich neben der Visagistin mit wohl gemerkt meist eh zwei Koffern Schminke stehen und noch ihren eigenen Schminkkoffer dabei haben. Kurze Aufklärung: Es gibt tatsächlich diesen Beruf Visagistin. Sie hat eine Ausbildung und wurde vorher genau informiert in welcher Szenerie geshootet wird, ergo weiß sie was sie zu tun hat. Es ist absolut unnötig, dass das Model ihre eigenen Sachen mitnimmt und der Visa Tipps gibt oder Kommentare ablässt wie “ich will kein Grün auf den Augen, das steht mir nicht“ oder “ohne aufgeklebte Wimpern lass ich mich nicht fotografieren.“ Musst du auch nicht, geh einfach, denn das ist kein professionelles Arbeiten.

Hierzu fallen mir noch die ich-kann-mich-selber-schminken Mädchen ein. Nein, können sie nicht. Denn nochmal es gibt Menschen die diesen Beruf erlernt haben und nur weil man sich drei Youtube Videos zum Thema Schminken angesehen hat, kann man es meist noch nicht auf dem Niveau einer Visa.

Auch sehr beliebt unter uns Stylisten sind die Mädchen, die sich die Kleidung ansehen und meinen das sei nicht ihr Stil das ziehen sie nicht an. Oder unablässig Kommentare erbringen wie “das gefällt mir nicht“ oder (ja auch diese Respektlosigkeit gibt es) “das sieht scheiße aus.” Lustig wird es dann, wenn sie sich minutenlang beschweren und der Kunde hinter ihnen steht. Überraschung! Das Model darf dann meist sofort gehen. Der Geschmack des Models, so leid es mir auch tut, ist einfach egal, denn es zählt was der Fotograf sich mit dem Stylisten überlegt und was der Kunde wünscht.

Und deshalb gibt es nun mal Models und Möchtegern-Models. Ein echtes Model hat Erfahrung, hat unzählige Posen auf Lager, bewahrt den Gesichtsausdruck egal was um das Model herum passiert, mischt sich nicht in die Arbeit anderer ein und lässt sie ihre Arbeit einfach tun. Mein Dank geht an die Models da draußen, die wissen wie man seine Arbeit macht und die im Team arbeiten können, denn Verbesserungsvorschläge darf jeder machen, es kommt nur darauf an wie. Ich habe größten Respekt vor euch, wenn ihr in Unterwäsche bei minus fünf Grad vor wild fremden Leuten auf der Straße posiert. Wenn man euch die merkwürdigsten Posen sagt und ihr sie hinbekommt und wenn man euch so schminkt und stylt, dass es leider überhaupt nicht euer Stil ist aber ihr dennoch eure Arbeit mit Bravur macht, denn Model sein ist ein harter Job und nichts für jedermann.

Im Endeffekt bucht man das Model wieder, das ihre Arbeite gut macht und die größte Zicke oder Diva am Set sollte der Chihuahua des Fotografen sein und nicht das Model.


Photographer: Michael Lehner

Model: Lisa H.

Visa: Romana H.

Dress: Irina J.

Location: Hotel Altstadt Wien

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